Bargeld-Differenzen sind keine Panne. Sie sind ein Steuerungssignal.
Fünf Franken hier, ein fehlender Betrag dort. Differenzen im Bargeldkreislauf wirken klein. Teuer wird, was danach passiert: Jemand sucht, jemand telefoniert, jemand gleicht ab, jemand schreibt dem Dienstleister, der wiederum nachfragt. Stunden, Woche für Woche.
Meine Beobachtung aus Gesprächen mit Banken: Viele können nicht sagen, was Differenzen sie im Jahr kosten. Abgerechnet wird oft pauschal, nicht pro Fall. Was nicht sichtbar ist, wird nicht gesteuert.
Was Differenzen verraten
Bargeld wird dezentral bewegt: an vielen Orten und zu vielen Zeiten, meist ohne dass jemand danebensteht. Ob das sauber läuft, entscheidet nicht die Technik. Es entscheiden Auswahl, Einarbeitung und Führung der Menschen, die es tun, und klare Schnittstellen zwischen Bank und Dienstleister. Differenzen zeigen am sichtbarsten, wo das nicht stimmt.
Es geht anders
In einem mir bekannten Schweizer Fall sind die Differenzen praktisch verschwunden. Der Kostenblock für die Differenzsuche fiel weg, ebenso die Stunden, die damit gebunden waren. Nicht dank neuer Technologie, sondern dank klarer Zuständigkeiten, sauberer Schnittstellen und Führung.
Die Aufsicht erwartet, dass Sie das messen
Das FINMA-Rundschreiben 2018/3 «Outsourcing» sagt: Wer eine wesentliche Funktion auslagert, bleibt gegenüber der FINMA so verantwortlich, als würde er sie selbst erbringen. Er muss die Leistung des Dienstleisters fortlaufend überwachen und beurteilen, dem Konzentrationsrisiko Rechnung tragen und sicherstellen, dass eine geordnete Rückführung oder Übertragung auf einen anderen Dienstleister möglich ist.
Das Rundschreiben nennt die Bargeldlogistik nicht. Ob sie bei Ihrer Bank eine wesentliche Funktion ist, beurteilen Sie selbst. Die Frage lohnt sich in beide Richtungen: Gilt sie als wesentlich, greifen die Pflichten vollumfänglich. Gilt sie nicht als wesentlich, muss die Begründung einer Prüfung standhalten.
Hier schliesst sich der Kreis: Wer Differenzen nicht beziffern kann, kann die Leistung seines Dienstleisters nicht fortlaufend beurteilen. Differenzen sind dafür die messbarste Kennzahl.
Bündeln spart. Und konzentriert.
Die Branche trommelt für Bündelung: ein Anbieter, ein Vertrag, weniger Schnittstellen. Das rechnet sich auf dem Papier. Als 2023 ein weltweit führender Geldautomaten-Hersteller ein Restrukturierungsverfahren durchlief, wurde in vielen Banken die Frage konkret, wie abhängig sie von einem einzelnen Lieferanten sind. Der Betrieb lief weiter, die Frage blieb. Dazu kommt: Der Geldautomat ist ein Kontaktpunkt zur Kundschaft. Wer den Betrieb ganz abgibt, gibt ein Stück Kundenbeziehung mit ab.
Vier Fragen für die nächste GL-Sitzung
- Was kosten uns Differenzen pro Jahr, in Stunden und in Franken?
- Wer hat bei Differenzen den Hut auf, und wie lange dauert die Klärung?
- Haben wir die Bargeldlogistik als wesentliche Auslagerung eingestuft, und wie begründen wir das?
- Wie sähe die Übertragung an einen anderen Anbieter konkret aus, und wer hat das zuletzt durchgespielt?
Bargeld bleibt: Laut SNB-Umfrage wollen 95 Prozent der Bevölkerung, dass es verfügbar bleibt, und der Zugang kostet die Schweiz jährlich 640 bis 880 Millionen Franken. Die Frage ist nicht, ob Banken Bargeld bewirtschaften. Die Frage ist, wer die Kette steuert, wer sie führt und was sie davon messen.
Transparenz: Ich begleite Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette Cash, auch Anbieter. Dieser Text ist bewusst anbieterneutral.
Quellen
- FINMA-Rundschreiben 2018/3 «Outsourcing – Banken, Versicherer und ausgewählte Finanzinstitute»
- Schweizerische Nationalbank (SNB): Umfrage zu den Zahlungsmitteln in der Schweiz
David Rippmann · Present Value GmbH
