
Was die Agenten alles vorschlagen...
Warum die Kluft zwischen KI-Nutzung und KI-Vertrauen gerade jetzt die grösste Chance der Branche ist
Laut einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) und finpension hat jede vierte Person in der Schweiz bereits eine Finanzfrage an ChatGPT gestellt.
Bei rund 8 Prozent hat die Antwort das Anlage- oder Sparverhalten bereits konkret verändert.
Und trotzdem: Bei der Planung der Altersvorsorge vertrauen laut der Planning & Progress Study 2025 von Northwestern Mutual 56 Prozent einem menschlichen Berater – nur 13 Prozent einer KI. Diese Kluft ist keine Übergangserscheinung, die sich mit der nächsten Modellgeneration von selbst schliesst. Sie ist die neue Realität – und für Banken, die sie verstehen, die grösste Chance seit Langem.
Zwei Wahrheiten gleichzeitig
Beide Zahlen stimmen gleichzeitig, weil sie zwei verschiedene Dinge messen. Die erste zeigt: KI ist im Alltag der Kunden bereits angekommen, als erste Anlaufstelle für Informationen und Vergleiche. Die zweite zeigt: Bei Entscheidungen mit echter Tragweite – Vorsorge, Nachfolge, Vermögensübertrag – bleibt der Mensch die Instanz, der man die Verantwortung überträgt. Wer nur die erste Zahl sieht, fürchtet um die Existenz der Bank. Wer beide zusammen liest, erkennt die eigentliche Aufgabe: die Lücke zwischen «ich informiere mich bei der KI» und «ich vertraue der KI meine Zukunft an» zu schliessen – und genau an dieser Schnittstelle zu stehen.
Die Vorreiter bauen um, nicht ab
Wer das ernst nimmt, verändert nicht zuerst den Stellenplan, sondern die Rolle. Die Grossbank DBS in Singapur beschreibt ihre eigene KI-Strategie als Ziel, eine «AI-enabled bank with a heart» zu werden – Technologie als Mittel, nicht als Selbstzweck. Praktisch bedeutet das: KI-Agenten übernehmen dort inzwischen einen grossen Teil der Dokumenten- und Analysearbeit für Firmenkundenberater, damit diese mehr Zeit für die eigentlichen Kundengespräche haben. Bei Morgan Stanley nutzen praktisch alle Berater-Teams einen KI-Assistenten, der Research und Unterlagen aufbereitet. Das Ziel ist explizit nicht, Berater zu ersetzen, sondern ihnen mehr Raum für das zu geben, was zählt: das Gespräch selbst. Das Muster ist überall dasselbe: Die Institute, die bei Agentic AI führen, bauen die Beraterrolle um – weg von Wissensvermittlung und Dokumentenarbeit, hin zu Orchestrierung und Einordnung.
Vom Wissensträger zum Orchestrator
Für Schweizer Banken bestätigt das eine aktuelle Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern im Auftrag des Schweizerischen Bankpersonalverbands: Kundenberatende verschieben sich vom Wissensträger zum Orchestrator. Was zunimmt, sind Umgang mit KI-Agenten und die Fähigkeit, deren Ergebnisse einzuordnen und zu validieren. Was an Bedeutung verliert, ist reines Produkt- und Prozesswissen – genau das, was eine KI heute schon zuverlässig liefert. Das ist die Fortschreibung dessen, was hier vor Kurzem bereits als These stand: weg von der Kundenberatung, hin zur Kundenbefähigung. Neu ist: Es gibt jetzt Zahlen dazu, nicht nur die Idee.
Die eigentliche Frage
Die spannende Frage für die nächsten Jahre lautet deshalb nicht «Ist unsere Bank durch KI bedroht?», sondern: Wer schafft es als Erster, aus der KI-Antwort, die der Kunde bereits erhalten hat, gemeinsam mit ihm eine tragfähige Entscheidung zu machen? Diese Bank gewinnt nicht den nächsten Quartalsabschluss – sie gewinnt die Kundenbeziehung der nächsten zehn Jahre.
Wo Present Value ansetzt
Genau diese Verschiebung – vom Wissensträger zum Orchestrator, von der Beratung zur Befähigung – lässt sich nicht verordnen. Sie beginnt mit einer ehrlichen Standortbestimmung:
- Wo stehen Kultur und Kapazität der Kundenberatenden heute?
- Wo entlastet die KI wirklich, wo befähigt sie?
- Und wo würde der Kunde die Bank tatsächlich weiterhin dem Chatbot vorziehen – wenn man ihm zeigt, warum?
Ein strukturierter Readiness-Check über diese Fragen liefert in ein bis zwei Wochen ein klares Bild, priorisierte nächste Schritte und eine begründete Haltung zur KI-Frage – Klarheit vor Investition, statt Wunschdenken.
Wo genau schliesst Ihre Bank die Lücke zwischen KI-Nutzung und KI-Vertrauen? Ein unverbindliches Gespräch zeigt, wo der grösste Hebel liegt.
